Kläranlage

Das im Verbandsgebiet anfallende Abwasser wird durch den Hauptsammler geleitet und mit drei Kreiselpumpen ca. 14m gehoben.

In einem Gerinne durchläuft es das Rechengebäude. Hier werden die Grobstoffe durch einen Feinrechen entfernt. Das Rechengut wird zur Reduzierung des Volumens und des Gewichts grob gewaschen, gepresst und einer gesonderten Entsorgung zugeführt.

Anschließend durchströmt das Abwasser den belüfteten Sandfang.  In dieser Verfahrensstufe wird der im Abwasser mitgeführte Kies, Sand und Splitt durch sein höheres spezifisches Gewicht vom Wasser getrennt, über eine Schnecke ausgetragen, gewaschen und zur weitergehenden Entsorgung bereitgestellt.

Mit dem Ablauf aus dem Sandfang endet der mechanische Teil der Abwasserreinigung.

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Die anschließende biologische Reinigungsstufe hat die Aufgabe, die noch vorhandene Restverschmutzung aus dem Wasser zu entfernen. Im Wesentlichen besteht diese aus Kohlenstoff-, Stickstoff- und Phosphorverbindungen.

Die biologische Abwasserreinigung entspricht weitgehend den Selbstreinigungsvorgängen in den natürlichen Gewässern und basiert auf den Stoffwechselvorgängen von Mikroorganismen (Biomasse oder Belebtschlamm), welche die gelösten Inhaltsstoffe als Nahrung und Energiequelle nutzen. Auf der Kläranlage Tiefenbach sind zwei Belebungsbecken mit jeweils einem Volumen von 3.750 m³ errichtet, welche unabhängig voneinander funktioniere.

Um die natürlichen Vorgänge zu beschleunigen, werden in der biologischen Stufe die Mikroorganismen konzentriert und intensiv mit dem Abwasser vermischt.

Durch den Wechsel von unbelüfteten und belüfteten Bereichen auf dem Fließweg wird z.B. ein Teil des Phosphors im Abwasser von Mikroorganismen aufgenommen und in deren Zellen gebunden . Diese Mikroorganismen werden später mit dem eingelagerten Phosphor aus dem System als Sekundärschlamm ausgeschleust.

Da durch diese Vorgänge nicht der gesamte Phosphoranteil gebunden werden kann, wird durch die Zugabe von Eisensalzen, sogenannten Fällungsmitteln, das noch im Abwasser vorhandene Phosphor ausgefällt. Die dabei entstehenden Reaktionsprodukte in Flockenform bilden ebenfalls ein Teil des Sekundärschlamms und werden aus dem System abgezogen. Im Zuge der Nitrifikation und Denitrifikation in den Belebungsbecken werden die Stickstoffverbindungen, welche z.B. als Eiweiß oder Harnstoff im Abwasser vorliegen, durch spezialisierte Mikroorganismen, die sogenannten Nitrifikanten, aufgespalten, so dass abschließend nur noch Wasser und molekularen Stickstoff, welcher in die Atmosphäre entweicht, übrig bleibt. Für diesen Verfahrensschritt ist wiederum u.a. der gezielte und klar abgegrenzte Wechsel von belüfteten und unbelüfteten Zonen auf dem Fließweg des Abwassers nötig. Zudem wird bei dieser biochemischen Reaktion der noch im Abwasser vorhandene Kohlenstoff als Energieträger für die Zellen abgebaut bzw. in Kohlendioxid umgewandelt.

Im Anschluss an die Belebungsbecken wird das Gemisch aus dem jetzt weitestgehend gereinigten Abwasser und dem Belebtschlamm auf die zwei Nachklärbecken verteilt. Hierbei handelt es sich um horizontal durchströmte Rechteckbeckem mit einem Volumen von jeweils 2.150 m³.


In diesen Becken wird das Wasser-Belebtschlamm-Gemisch getrennt, da sich der Schlamm mit den darin eingelagerten Stoffen, in Folge der Schwerkraft an den Beckensohlen absetzt. Dieser Sekundärschlamm wird abgezogen und zum einen Teil als Rückschlamm zur Konzentration der Biomasse in den Belebungsbecken wieder an den Beginn der biologischen Reinigungsstufe eingeleitet. Ein anderer Teil wird aus dem System herausgenommen und der Schlammbehandlung zugeführt.

Das Klarwasser aus den Nachklärbecken hat nun den gesamten Reinigungsprozess durchlaufen und wird über den Auslaufkanal wieder in die Lahn eingeleitet.

Zur Überwachung und Steuerung der Abwasserreinigung werden diesem Wasserstrom automatisch Proben zur Laboranalyse entnommen sowie durch kontinuierlich arbeitende Messgeräte analysiert. Diese Geräte sind Bestandteil der Überwachung der Verbandskläranlage und speisen ihre gewonnenen Daten in das Prozessleitsystem ein. Dieses alarmiert im Fall von Störungen oder Unregelmäßigkeiten das Betriebspersonal und dokumentiert diese automatisch.